Bin ich EPR-konform und wie bekomme ich ein Teilnahmezertifikat für meine Verpackungen?

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Warum müssen Unternehmen EPR-konform handeln? 

EPR ist ein Konzept, bei dem Hersteller und Produzenten für die Sammlung, Sortierung und das Recycling ihrer Produkte und Verpackungen verantwortlich sind, um Umweltauswirkungen zu reduzieren und Ressourcen zu schonen. Wenn ein Unternehmen seine gesetzlichen Verpflichtungen im Bereich Verpackung in Deutschland nicht ordnungsgemäß erfüllt, steht es vor ernsthaften Konsequenzen. Dies kann zu erheblichen Geldstrafen von bis zu 200.000 Euro führen und sogar ein Vertriebsverbot nach sich ziehen. Um im Wettbewerbsumfeld konkurrenzfähig zu bleiben, ist es daher von größter Bedeutung, die gesetzlichen Vorschriften sorgfältig zu befolgen.

Welche Unternehmen sind verpflichtet und benötigen ein Teilnahmezertifikat?

Hersteller in Deutschland müssen laut Verpackungsgesetz (VerpackG) verschiedene Vorschriften einhalten, darunter die Registrierung im Verpackungsregister LUCID, regelmäßige Mengenmeldungen und die Erfüllung von Recyclingstandards für Verpackungen.

Zunächst muss der Begriff „Hersteller” erklärt werden. Nach dem deutschen Verpackungsgesetz ist ein Hersteller derjenige, der eine mit Ware befüllte Verpackung erstmals gewerbsmäßig in Deutschland in Verkehr bringt. Das kann entweder sein:

  • ein Hersteller von Waren,
  • ein Einzelhandelsunternehmen,
  • ein Importeur oder
  • ein Versandhandelsunternehmen und E-Commerce-Anbieter.

Dies gilt grundsätzlich für jedes Unternehmen, das für den privaten Endverbraucher in Deutschland bestimmte Verkaufsverpackungen (Produktverpackungen, Versandverpackungen, Serviceverpackungen)

  • befüllt,
  • die Befüllung beauftragt (Fulfillment) oder
  • verpackte Ware importiert.

Zum besseren Verständnis lesen Sie gerne hier im Blogartikel „Ein Leitfaden über die Verpackungslizenzierung in Deutschland“ mehr über die EPR-Verpflichtungen für Hersteller in Deutschland.

Jedes europäische Land hat eigene Vorschriften und gesetzliche Regelungen bezüglich der Verpackung(sentsorgung). Es ist daher unmöglich, für alle europäischen Länder eine pauschale Antwort bezüglich der Verpflichtungen zu treffen. Sollten Sie in mehreren Ländern Ihre Ware liefern, ist es sinnvoll, Ihre Verpflichtungen und Ihre individuelle Situation mit einer Beratungsorganisation zu prüfen. Wenn Sie Fragen haben, können Sie hier ein kostenloses und unverbindliches Beratungsgespräch vereinbaren.

Was ist eigentlich ein Teilnahmezertifikat eines Dualen Systems?

Ein Teilnahmezertifikat für Verpackungen ist ein offizielles Dokument, das Unternehmen erhalten, wenn sie ihre Verpackungen im Sinne der Erweiterten Produzentenverantwortung (EPR) bei einem Dualen System entpflichten. Es dient als Nachweis, dass die Entpflichtung der Verpackungen bereits erfolgt ist und kann von Kunden, Handelspartnern, E-Commerce-Plattformen oder anderen Partnern der nachgelagerten Vertriebsstufe verlangt werden.

Wie erhalte ich am schnellsten ein Teilnahmezertifikat?  

Das Online-Portal „activate by Reclay” ist die einfachste und schnellste Möglichkeit, in wenigen Minuten die in Verkehr gebrachten Verpackungen an einem Dualen System zu beteiligen. Hier können jederzeit (unter Einhaltung gesetzlicher Fristen) für das ausgewählte Lizenzjahr Mengen beteiligt werden und für Verkaufs- und Transportverpackungen Systembeteiligungsentgelt bezahlt werden. Unmittelbar nach Abschluss der Zahlung erhält das Unternehmen die Rechnung und die Mengenbestätigung per Mail. Als Nachweis, dass alle in Verkehr gebrachten Verpackungen ordnungsgemäß beteiligt worden sind, steht ein Teilnahmezertifikat zum Download bereit.

Welche Verpackungsmengen und Fraktionen müssen für den Erhalt des Teilnahmezertifikats gemeldet werden?

Für Deutschland müssen verpflichtete Unternehmen exakt ermitteln, wie viele Verpackungen pro Jahr anfallen und welchen Fraktionen (Glas, Papier, Karton, Pappe, Weißblech, Aluminium, Kunststoffe, Getränkeverbundkarton oder andere Verbundstoffe) sie zuzuordnen sind. Die jährlichen Kosten für die Beteiligung dieser Verpackungen richten sich immer nach der Menge und der Art der Verpackung. Abschließend muss erwähnt werden, dass Unternehmen ihren Meldepflichten sowohl bei LUCID als auch bei ihrem dualen System (wenn sie systembeteiligungspflichtige Verpackungen in Verkehr bringen) nachkommen müssen. Die Meldeintervalle und -fristen bei den dualen Systemen können sich von jenen für LUCID unterscheiden. Meldefristen sind unbedingt einzuhalten, andernfalls drohen empfindliche Sanktionen. Mehr über LUCID und wie Ihr Unternehmen zu einer LUCID Nummer kommt, erfahren Sie im Blogartikel „Das Verpackungsregister LUCID: Verpflichtungen und rechtliche Anforderungen für Unternehmen“.

Achtung: Es gilt keine Kleinstmengenregelung in Deutschland!

In Deutschland muss bereits ab dem ersten Inverkehrbringen eine Systembeteiligung durchgeführt werden, eine Kleinstmengenregelung gibt es nicht. Im Online-Portal „activate by Reclay” können die genauen Preise für die verschiedenen Materialien und Gewichtsklassen auch ohne Login berechnet werden. Die Lizenzgebühren sind für ein Kalenderjahr gültig. Das bedeutet, dass ein Unternehmen jedes Kalenderjahr überprüfen muss, ob die in Verkehr gebrachten Verpackungen korrekt beteiligt sind.

Kleinere Unternehmen verwenden manchmal „gebrauchte Verpackungen”, um Produkte an Kunden zu versenden. Es herrscht oft die Vorstellung, dass diese vermeintlich „gebrauchten Verpackungen” nicht beteiligt werden müssen, sei es aufgrund einer bereits erfolgten Beteiligung durch den ursprünglichen Hersteller oder weil sie als „Transportverpackungen” angesehen werden, die von der Beteiligungspflicht ausgenommen sind. Das ist jedoch ein Irrtum: Sobald eine Transportverpackung in eine Verkaufsverpackung umgewandelt und an private Endverbraucher geliefert wird, muss sie beteiligt werden.

Die Bedeutung der Erweiterten Produzentenverantwortung (EPR)

Die Erweiterte Produzentenverantwortung (EPR) ist gleichermaßen Konzept und politische Strategie, die darauf abzielt, die Hersteller und Produzenten stärker in die Verantwortung für die Umweltauswirkungen ihrer Produkte einzubeziehen. Im Wesentlichen bedeutet EPR, dass jedes Unternehmen, dass Produkte (und dazu zählen auch die Verpackungen) herstellt und auf den Markt bringt, für deren gesamten Lebenszyklus verantwortlich ist. Einschließlich der Entsorgung und des ordnungsgemäßen Recyclings am Ende ihrer Lebensdauer.

Die nicht-konforme Entpflichtung von Verpackungen (Systembeteiligung) und die mangelnde Einhaltung von gesetzlichen Verpflichtungen im Bereich der Verpackungsentsorgung können erhebliche Umweltauswirkungen haben.

Hier sind einige der wichtigsten Auswirkungen:

  • Verschmutzung: Werden Verpackungsabfälle nicht ordnungsgemäß entsorgt und recycelt, kann dies zu Umweltverschmutzung führen. Verpackungen können in die Umwelt gelangen, einschließlich Gewässern, Wäldern und städtischen Gebieten, und negative Auswirkungen auf die Tierwelt und die Landschaft haben.
  • Ressourcenverschwendung: Statt auf recycelte Materialien zurückzugreifen, werden wertvolle Ressourcen abgebaut. Die Herstellung von Verpackungsmaterialien erfordert Rohstoffe und Energie, und wenn Verpackungen nach einmaligem Gebrauch einfach entsorgt statt für die Wiederverwendung recycelt werden, gehen diese Ressourcen verloren.
  • Überfüllte Deponien: Wenn Verpackungen nicht recycelt werden, landen sie oft auf Deponien, die sich im Laufe der Zeit füllen und Platzprobleme verursachen.
  • Klimawandel: Die Herstellung von Verpackungsmaterialien und deren Entsorgung tragen zur Emission von Treibhausgasen bei, die den Klimawandel beeinflussen. . Die ineffiziente Entsorgung von Verpackungen kann zu einer erhöhten CO2-Bilanz führen.
  • Gefährliche Inhaltsstoffe und Verlust von Biodiversität: Einige Verpackungsmaterialien können gefährliche Chemikalien enthalten, die in die Umwelt gelangen, wenn sie nicht ordnungsgemäß entsorgt werden. Dies kann Boden- und Wasserverschmutzung verursachen. Oder sie gefährden Wildtiere, die sie fressen oder sich darin verfangen. Dies kann zu Verletzungen oder zum Tod von Tieren führen und die Artenvielfalt gefährden.
  • Wirtschaftliche Auswirkungen: Unternehmen, die gegen Gesetze und Vorschriften verstoßen, können mit Geldstrafen und Sanktionen konfrontiert werden, was ihre finanzielle Stabilität und die Wettbewerbsfähigkeit am Markt beeinträchtigen kann.

Die Erweiterte Produzentenverantwortung (EPR) ist ein zukunftsweisender Weg, wie Unternehmen und Gesellschaft gemeinsam Verantwortung für unsere Umwelt übernehmen können. EPR schafft ein Anreizsystem, um nachhaltige Praktiken zu fördern und Umweltauswirkungen zu minimieren. Die EPR-Konformität ist also nicht nur eine rechtliche Verpflichtung, sondern auch eine moralische Verantwortung, die Unternehmen vorbildlich tragen sollten. Indem wir als Gesellschaft unsere Produkte und Verpackungen umweltfreundlicher gestalten und dafür sorgen, dass Wertstoffe im Kreislauf gehalten werden, tragen wir zur Bewahrung unserer natürlichen Ressourcen und zur Reduzierung von Umweltschäden bei.

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